{"id":2102,"date":"2014-10-29T22:12:10","date_gmt":"2014-10-29T22:12:10","guid":{"rendered":"http:\/\/ankedomscheitberg.de\/?p=2102"},"modified":"2018-11-08T11:51:45","modified_gmt":"2018-11-08T10:51:45","slug":"teil-5-aus-meinem-tagebuch-vor-25-jahren-herbst-1989-ddr-05-11-1989","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/publizistin.anke.domscheit-berg.de\/?p=2102","title":{"rendered":"Teil 5 &#8211; Aus meinem Tagebuch vor 25 Jahren &#8211; Herbst 1989 DDR (05.11.1989)"},"content":{"rendered":"<blockquote><p><strong>&#8222;Welch ein Wochenende! In Berlin die gr\u00f6\u00dfte Demo die es je in dieser Stadt gab, freiwillig 1 Mill auf der Strasse! Direkt\u00fcbertragen auf DDR1, alle Redner ungek\u00fcrzt, die Aufrufe zum R\u00fccktritt der Regierung, Schm\u00e4hreden \u00fcber Krenz und Anhang, Neuwahlen, NF-Zulassung etc. So sch\u00f6ne Transparente, sie sollten f\u00fcr eine Sonderausstellung gesammelt werden. Ein Geschichtsbeleg. Ich w\u00e4re gern dort gewesen.&#8220;<\/strong><\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Meine Tagebuchnotizen vom 05. November 1989. (English Version <a title=\"HP ADB Diary 5th Nov. 1989\" href=\"http:\/\/publizistin.anke.domscheit-berg.de\/?p=2129\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">HERE<\/a>)<\/strong><br \/>\nDies ist Teil 5 aus der Reihe \u201cAus meinem Tagebuch \u2013 vor 25 Jahren \u2013 Herbst 1989\u2033, fr\u00fchere Teile sind am Ende dieses Posts verlinkt, ebenso wie Dokumente, Fotos aus der Zeit und mein Buch &#8222;Mauern einrei\u00dfen&#8220;. Es gibt alle Teile auch in englischen \u00dcbersetzungen auf meinem Blog. K\u00fcrzungen (private Inhalte) sind erkennbar an \u201c(\u2026)\u201d, Erkl\u00e4rungen gibt es in Klammern: (ADB: Erkl\u00e4rung) oder so: (=blabla). Ausf\u00fchrlichere Erkl\u00e4rungen gibt es in Fu\u00dfnoten.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<blockquote><p><strong>den 05.11.89, 10:15, P-Zug Halle-Leipzig, Sonntag<\/strong><br \/>\nWelch ein Wochenende! In Berlin die gr\u00f6\u00dfte Demo die es je in dieser Stadt gab, freiwillig 1 Mill auf der Strasse! Direkt\u00fcbertragen auf DDR1 (=DDR Fernsehen) alle Redner ungek\u00fcrzt, die Aufrufe zum R\u00fccktritt der Regierung, Schm\u00e4hreden \u00fcber Krenz und Anhang, Neuwahlen, NF-Zulassung (=Neues Forum) etc. So sch\u00f6ne Transparente, sie sollten f\u00fcr eine Sonderausstellung gesammelt werden. Ein Geschichtsbeleg. Ich w\u00e4re gern dort gewesen.<br \/>\nAm Freitag bin ich zuerst nach Ha-Neu, (=Halle Neustadt) von dort zum Superintendenten nach Halle, in der Marktkirche war er nicht, (er war) zu Hause (&#8230;). Ein hagerer Mann, kurzfassend und konzentriert. Er h\u00f6rte zu, ich k\u00e4mpfte mit den Tr\u00e4nen. Er fragte auch nebens\u00e4chlich, das beruhigte mich, wie ich zur Kirche st\u00fcnde, wie wir uns kennengelernt hatten etc., zum Studium. Er rief bei der Mahnwache an und fuhr mit mir im Auto hin, zu <a title=\"Biographie Hans Hanewinckel\" href=\"http:\/\/www.chronikderwende.de\/lexikon\/biografien\/biographie_jsp\/key=hanewinckel_hans-joachim.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Pfarrer Hanewinckel<\/a>.(1) Das ist die Seele der Georgenkirche, der Mahnwache, ein Mann mit goldener Nickelbrille und wallendem grauen Bart, viel rauchend, wie fast alle dort. Bis in die Nacht ist er dort und hilft jedem. Er ging mit uns in einen Raum, wo wir allein waren, h\u00f6rte sich alles an und beschlo\u00df, zu helfen.<\/p><\/blockquote>\n<div id=\"attachment_2104\" style=\"width: 793px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.zeit-geschichten.de\/visuals\/b_th_09.pdf\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-2104\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-2104 size-full\" src=\"https:\/\/publizistin.anke.domscheit-berg.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Screen-Shot-2014-10-29-at-22.09.22-.png\" alt=\"Mahnwache Nov. 1989, Bild: Hans-Joachim Hanewinckel, aus Udo Grashoff &quot;Keine Gewalt! Dokumente und Interviews. Der revolution\u00e4re Herbst 1989 in Halle an der Saale&quot;\" width=\"783\" height=\"552\" srcset=\"https:\/\/publizistin.anke.domscheit-berg.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Screen-Shot-2014-10-29-at-22.09.22-.png 783w, https:\/\/publizistin.anke.domscheit-berg.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Screen-Shot-2014-10-29-at-22.09.22--300x211.png 300w, https:\/\/publizistin.anke.domscheit-berg.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Screen-Shot-2014-10-29-at-22.09.22--768x541.png 768w\" sizes=\"(max-width: 783px) 100vw, 783px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2104\" class=\"wp-caption-text\">Mahnwache an der Georgenkirche in Halle\/Saale, Nov. 1989, Bild: Hans-Joachim Hanewinckel, aus Udo Grashoff &#8222;Keine Gewalt! Dokumente und Interviews. Der revolution\u00e4re Herbst 1989 in Halle an der Saale&#8220;<\/p><\/div>\n<blockquote><p>Er holte einen jungen Mann herein \u201cMike\u201d, entlassen nach 14 Monaten aus dem Jugendhaus Halle (=Gef\u00e4ngnis) am 10.10.89. Der ist jetzt ein Fall f\u00fcr Amnesty International. Er h\u00f6rte mir zu und lie\u00df sein Rendezvous platzen, um sich mit mir zu unterhalten. Er hat noch verschiedene Beziehungen zum Jugendhaus und versprach, Montag etwas in Erfahrung zu bringen und mir zu schreiben. Wir wanderten gg. 23:00 nach Ha-Neu, er erz\u00e4hlte seine Geschichte, haarstr\u00e4ubend. Er hatte 1987 einen Ausreiseantrag gestellt, die Stasi mehrfach provoziert (2 Std. sitzen vor dem Brandenburger Tor, langsames Auf- und abfahren davor etc.) Er wurde mehrmals verh\u00f6rt und einmal auf der Fahrt nach Eisenach wegen Verdacht der Republiksflucht im Zug festgenommen. Er wanderte ab f\u00fcr 14 Monate.<br \/>\nSeine Eltern sagten sich los von ihm. Die Bedingungen waren denkbar miserabel, immer eingesperrt, auch bei der Arbeit, er streikte mehrmals, um die Bedingungen zu verbessern. Einmal wurden die vor Dreck stehenden Arbeitssachen 60 Tage nicht gewechselt, es gab Suppe von 1969 und beim Auswickeln des Camembert krochen W\u00fcrmer heraus&#8230; Einmal ging er in Hungerstreik, sa\u00df im Arrest. Das Bett wurde nur nachts aufgeschlossen, das Klo war nachts zu. Nach 3 Tagen ohne Essen und Trinken \u00f6ffnete man ihm das Klo nicht mehr, \u201cwer nicht i\u00dft, braucht sich nicht waschen und braucht auch nicht Z\u00e4hne putzen\u201d, nach 5 Tagen, als es ihm schon st\u00e4ndig schwarz wurde, kamen sie, legten ihm Schellen mit Ketten an H\u00e4nden und F\u00fc\u00dfen, legten ihn auf ein Stahlbett und ern\u00e4hrten ihn per Zwang mit einem Trichter \u2013 da gab er auf.<\/p><\/blockquote>\n<div id=\"attachment_2106\" style=\"width: 795px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.zeit-geschichten.de\/visuals\/b_th_09.pdf\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-2106\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-2106 size-full\" src=\"https:\/\/publizistin.anke.domscheit-berg.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Screen-Shot-2014-10-29-at-22.33.45-.png\" alt=\"Mahnwache Nov. 1989, Bild: Hans-Joachim Hanewinckel, aus Udo Grashoff &quot;Keine Gewalt! Dokumente und Interviews. Der revolution\u00e4re Herbst 1989 in Halle an der Saale&quot; (S.20)\" width=\"785\" height=\"407\" srcset=\"https:\/\/publizistin.anke.domscheit-berg.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Screen-Shot-2014-10-29-at-22.33.45-.png 785w, https:\/\/publizistin.anke.domscheit-berg.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Screen-Shot-2014-10-29-at-22.33.45--300x156.png 300w, https:\/\/publizistin.anke.domscheit-berg.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Screen-Shot-2014-10-29-at-22.33.45--768x398.png 768w\" sizes=\"(max-width: 785px) 100vw, 785px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2106\" class=\"wp-caption-text\">Mahnwache an der Georgenkirche in Halle\/Saale, Nov. 1989, Bild: Hans-Joachim Hanewinckel, aus Udo Grashoff &#8222;Keine Gewalt! Dokumente und Interviews. Der revolution\u00e4re Herbst 1989 in Halle an der Saale&#8220; (S.20)<\/p><\/div>\n<blockquote><p>Dass es sowas bei uns gibt! Sebastians (2) Name kam ihm bekannt vor, aber sein Gesicht kannte er nicht. Er wird sich k\u00fcmmern. Am n\u00e4chsten Morgen rief ich den Rechtsanwalt Frenzel an, der aber w\u00fcrde sich fr\u00fchestens am 16.11. des Falles annehmen. Ich rief Hanewinckel an, wir versuchten noch 2 andere RA\u2019s zu erreichen. Es wurde Mittag. Ich rief Sebastians Mutter an, wegen neuer Info. Am Vortag waren vom Strafvollzug und von Sebastian je 1 Brief gekommen. Sebastian schreibt, es ginge ihm gut&#8230; er h\u00e4tte einen Brief schmuggeln wollen und w\u00e4re daf\u00fcr disziplinarisch belangt worden. Auf dem Kopf h\u00e4tte er eine Entz\u00fcndung, wegen der seine Haare ab mu\u00dften. Sebastian als Skinhead&#8230; Ein neuer Besuch stand nicht drin.<\/p><\/blockquote>\n<div id=\"attachment_2112\" style=\"width: 594px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/publizistin.anke.domscheit-berg.de\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/1989-Okt-07-Statut-der-SDP-Sozial-Demokratische-Partei-der-DDR.pdf\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-2112\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-2112 size-large\" src=\"https:\/\/publizistin.anke.domscheit-berg.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Screen-Shot-2014-10-29-at-22.56.28--1024x369.png\" alt=\"Auszug aus den Gr\u00fcndungsstatuten der Sozialdemokratischen Partei der DDR - ich habe die Papiere von der Hallenser Veranstaltung mitgenommen\" width=\"584\" height=\"210\" srcset=\"https:\/\/publizistin.anke.domscheit-berg.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Screen-Shot-2014-10-29-at-22.56.28--1024x369.png 1024w, https:\/\/publizistin.anke.domscheit-berg.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Screen-Shot-2014-10-29-at-22.56.28--300x108.png 300w, https:\/\/publizistin.anke.domscheit-berg.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Screen-Shot-2014-10-29-at-22.56.28--768x277.png 768w, https:\/\/publizistin.anke.domscheit-berg.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Screen-Shot-2014-10-29-at-22.56.28-.png 1035w\" sizes=\"(max-width: 584px) 100vw, 584px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2112\" class=\"wp-caption-text\">Auszug aus den Gr\u00fcndungsstatuten der Sozialdemokratischen Partei der DDR &#8211; ich habe die Papiere von der Hallenser Veranstaltung mitgenommen<\/p><\/div>\n<blockquote><p>Von Hanewinckel gegen 16:00 neue Nachricht. In der Puschkinstrasse, im Haus der jg. Gemeinde w\u00e4re gerade SDP-Tagung, hinten s\u00e4\u00dfe Dr. Willms mit schwarzem Hemd und beigem Pullover dr\u00fcber&#8230; der w\u00fc\u00dfte Bescheid und w\u00fcrde mich einem Rechtsanwalt vermitteln. Als ich endlich hinfand, war die Tagung eben zu Ende und Dr. Willms \u00fcber alle Berge. Bei Pfarrer K\u00f6rner im Haus rief ich Hanewinckel an. Der gab mir dann die Adresse des RA Schwahn im (&#8230;)weg (&#8230;), Halle-D\u00f6hlau. Es war inzwischen dunkel geworden. Mit der Str(a\u00dfen)bahn fuhr ich raus, fand die Bushaltestelle, wartete 1\/2 Stunde\u00a0 und fuhr mit der A bis D\u00f6hlau-Post, \u00f6deste Wildnis, die n\u00e4chsten 3 Leute kannten den Weg nicht. Ich irrte durch das \u00f6de menschenleere Nest, kreuz und quer, entdeckte einen Mann in einer Einfahrt, der mir den Weg erkl\u00e4rte. Ich fand den Weg \u2013 der verlassenste in ganz D\u00f6hlau. Nebel, kaum ein Licht, die H\u00e4user weit auseinander, kein Laut, Pf\u00fctzen, Wald herum. Oh Grusel, ich mittendrin. Ich irrte bis zur 1B, dann war die Welt schwarz und zu Ende.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Beim letzten Licht bimmelte ich einen Mann heraus. Der Weg w\u00fcrde rechts abbiegen und dann wieder links und dann k\u00e4me schon die Einfahrt des RA. Also wieder in die Nacht, Riesenpf\u00fctzen, Schw\u00e4rze, blindes Gehen, Knistern. Eine Andeutung von Weg linker Hand. Ich ri\u00df die Augen auf und k\u00e4mpfte gegen Verzweiflungstr\u00e4nen, lief auf ein Licht zu. Kurz vor dem Haus ein w\u00fctendes Bellen. Herrgott. Ich hob die H\u00e4nde und r\u00fchrte mich gar nicht. Der Hund schwieg, ich ahnte, dass er fest lag, weil er nicht kam. Ich scharrte mit dem Fu\u00df, dass er wieder bellte und jemanden zum Nachschauen zwang. Es funktionierte. Der da kam war RA Schwahn selbst.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"https:\/\/publizistin.anke.domscheit-berg.de\/?attachment_id=2108\" rel=\"attachment wp-att-2108\"><img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter wp-image-2108 size-large\" src=\"https:\/\/publizistin.anke.domscheit-berg.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Ausschnitt-Diary-19891105-1024x879.jpeg\" alt=\"\" width=\"584\" height=\"501\" srcset=\"https:\/\/publizistin.anke.domscheit-berg.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Ausschnitt-Diary-19891105-1024x879.jpeg 1024w, https:\/\/publizistin.anke.domscheit-berg.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Ausschnitt-Diary-19891105-300x258.jpeg 300w, https:\/\/publizistin.anke.domscheit-berg.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Ausschnitt-Diary-19891105-768x659.jpeg 768w, https:\/\/publizistin.anke.domscheit-berg.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Ausschnitt-Diary-19891105.jpeg 2048w\" sizes=\"(max-width: 584px) 100vw, 584px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Er h\u00f6rte mich an und versprach zu helfen. Nur die Vollmacht m\u00fc\u00dfte Frau (&#8230; =Sebastians Mutter) unterschreiben. Ich irrte durchs Dunkel zur\u00fcck, rannte viel, fuhr ins Zentrum, zur Mahnwache, suchte den Pfarrer vergeblich und fuhr nach Haneu. Die Kleine Kathrin (3) war inzwischen da. Ich sah sie zum letzten Mal. Ich kanns noch nicht fassen. Wenn ich r\u00fcber komme, dann muss ich sie in Kassel besuchen, das ist nicht so sehr weit von Frankfurt am Main. Wir haben noch einen Abschiedswermut getrunken. Die Mutter (von Sebastian) rief ich wieder an, \u00fcber G., C. holte sie (ADB: sie hatte kein eigenes Telefon). Inzwischen war ein 2. Brief eingetroffen, mit Sprecherkarte (=Besuchserlaubnis im Gef\u00e4ngnis) f\u00fcr den 19.11.89 \u2013 f\u00fcr G. Sp\u00e4ter weiter, Leipzig naht.<\/p><\/blockquote>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p>(1) <em>Pfarrer Hans-Joachim Hanewinckel wird mir als eine der eindrucksvollsten Personen der Wendezeit f\u00fcr immer im Ged\u00e4chtnis bleiben (wer ihn kennt, bitte richtet ihm das aus, sowie meinen Respekt, meine Hochachtung und meine Dankbarkeit &#8211; ich hoffe, ich schaffe das auch mal pers\u00f6nlich!). Er war das Herz der Mahnwache, die am 10.10.1989 an der Georgenkirche eingerichtet wurde, nachdem es rund um den 40. DDR Geburtstag (7.10.89) gewaltt\u00e4tige \u00dcbergriffe der Polizei und Verhaftungen in Halle gegeben hatte. Leipzig mag als Stadt der DDR Opposition bekannter sein, aber auch in der Nachbarstadt Halle ist damals sehr viel passiert. Ich empfehle das <a title=\"Udo Grashoff - Keine Gewalt! \" href=\"http:\/\/www.zeit-geschichten.de\/visuals\/b_th_09.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Dokument &#8222;Keine Gewalt! Dokument und Interviews. Der revolution\u00e4re Herbst 1989 in Halle an der Saale&#8220;<\/a> von Udo Grashoff. Es ist chronologisch gegliedert, unterscheidet zwischen nationalen und lokalen Ereignissen, und enth\u00e4lt in den \u00fcber 100 Seiten auch Stasidokumente und Fotos aus der Zeit. Es ist ein wunderbares zeitgeschichtliches Dokument. Ein Interview mit Hans-Joachim Hanewinckel zu Wende und Mauerfall kann man <a title=\"kulturfalter - Interview Hanewinckel\" href=\"http:\/\/www.kulturfalter.de\/index.php?id=846\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">HIER<\/a> nachlesen (dort gibt es auch eine sch\u00f6ne Fotostrecke von der Mahnwache).<\/em><br \/>\n(2)<em> Sebastian hei\u00dft eigentlich anders. Ein Freund aus Kindertagen, der in Halle im Gef\u00e4ngnis sa\u00df. Ich hatte mich als seine Verlobte ausgegeben, um Schreib- und Besuchsrechte zu erhalten. Es hatte Anfang Oktober auch in der Justizvollzugsanstalt Proteste gegeben, von denen er mir in einem Schmuggelbrief berichten wollte. Er war erwischt worden (siehe dazu auch Teil 4 der Tageb\u00fccherserie) und litt unter versch\u00e4rften Haftbedingungen. Ich wollte mit der Hilfe von Pfarrer Hanewinckel Rechtsbeistand organisieren. <\/em><br \/>\n<em>(3) Die Kleine Kathrin war eine Kommilitonin von mir. Ihr Ehemann war in die westdeutsche Botschaft in Ost-Berlin geflohen und verlie\u00df sie erst nach dem Versprechen, in absehbarer Zukunft ausreisen zu d\u00fcrfen. Einige Monate sp\u00e4ter bekam er die Erlaubnis und mu\u00dfte seine Frau zur\u00fcck lassen. Sie hatte ebenfalls einen Ausreiseantrag gestellt und bekam endlich die Bewilligung. Deshalb dachte ich, ich w\u00fcrde sie nie wieder sehen&#8230; Mehr \u00fcber die Kleine Kathrin gibts in Teil 4 dieser Tagebuchserie. Ihr Spitzname &#8222;Kleine Kathrin&#8220; ist dem Umstand zu verdanken, dass wir 4 Kathrins in unserer Studiengruppe hatten, das waren die &#8222;Kleine Kathrin&#8220;, die &#8222;Blonde Kathrin&#8220;, die &#8222;Gro\u00dfe Kathrin&#8220; und die &#8222;Holz-Kathrin&#8220; (die Holzgestaltung studierte). (Fu\u00dfnote 3 erg\u00e4nzt am 30.10.2014)<\/em><br \/>\n<a href=\"https:\/\/publizistin.anke.domscheit-berg.de\/?page_id=995\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignright wp-image-1729 size-medium\" src=\"https:\/\/publizistin.anke.domscheit-berg.de\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/Screen-Shot-2014-09-01-at-16.43.39--188x300.png\" alt=\"\" width=\"188\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/publizistin.anke.domscheit-berg.de\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/Screen-Shot-2014-09-01-at-16.43.39--188x300.png 188w, https:\/\/publizistin.anke.domscheit-berg.de\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/Screen-Shot-2014-09-01-at-16.43.39-.png 431w\" sizes=\"(max-width: 188px) 100vw, 188px\" \/><\/a>Dies war der 5. Teil einer kleinen Reihe von Tagebucheintr\u00e4gen aus dem Herbst 1989. Weitere folgen in den n\u00e4chsten Tagen. Wer mehr als Tageb\u00fccher von mir zu dieser Zeit lesen m\u00f6chte, dem sei <a title=\"HP ADB Buch Mauern einrei\u00dfen\" href=\"http:\/\/publizistin.anke.domscheit-berg.de\/?page_id=995\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">mein Buch<\/a> ans Herz gelegt.<br \/>\n<strong>For english versions, see<\/strong> <a title=\"HP ADB Diary 4.10.1989\" href=\"http:\/\/publizistin.anke.domscheit-berg.de\/?p=1893\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">HERE<\/a>.<br \/>\n<strong>Weitere Informationen rund um die Wende \u201989:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li><a title=\"HP ADB Dokumente Wendezeit\" href=\"https:\/\/publizistin.anke.domscheit-berg.de\/?page_id=1002\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">umfangreiche Sammlung von Originaldokumenten aus der Wendezeit<\/a><\/li>\n<li><a title=\"HP ADB Tagebuch 4.10.89\" href=\"https:\/\/publizistin.anke.domscheit-berg.de\/?page_id=1002\/?p=1793\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Teil 1: Tagebucheintrag 4.10.1989<\/a><\/li>\n<li><a title=\"HP ADB Tagebuch 6. u 9..10.89\" href=\"http:\/\/publizistin.anke.domscheit-berg.de\/?p=1849\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Teil 2: Tagebucheintr\u00e4ge 6. und 9.10.1989<\/a><\/li>\n<li><a title=\"HP ADB Tagebuch 15.10.89\" href=\"http:\/\/publizistin.anke.domscheit-berg.de\/?p=1977\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Teil 3: Tagebucheintrag vom 15.10.1989<\/a><\/li>\n<li><a title=\"HP ADB Tagebuch 02.11.89\" href=\"http:\/\/publizistin.anke.domscheit-berg.de\/?p=2040\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Teil 4: Tagebucheintrag vom 02.11.1989<\/a><\/li>\n<li><a title=\"HP ADB Tagebuch 09.11.1989\" href=\"http:\/\/publizistin.anke.domscheit-berg.de\/?p=2162\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Teil 6: Tagebucheintrag vom 09.11.1989<\/a><\/li>\n<li><a title=\"HP ADB Tagebuch 13.11.1989\" href=\"http:\/\/publizistin.anke.domscheit-berg.de\/?p=2216\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Teil 7: Tagebucheintrag vom 13.11.1989<\/a><\/li>\n<li><a title=\"HP ADB Resolutionen\" href=\"http:\/\/publizistin.anke.domscheit-berg.de\/?p=1936\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Resolutionen der Fachschule f\u00fcr Angewandte Kunst vom 9. und 10.Oktober 1989<\/a><\/li>\n<li><a title=\"HP ADB Spiegelschriftbrief\" href=\"http:\/\/publizistin.anke.domscheit-berg.de\/?p=1956\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ein Brief in Spiegelschrift vom 9.10.1989<\/a><\/li>\n<li><a title=\"HP ADB Buch Mauern einrei\u00dfen\" href=\"http:\/\/publizistin.anke.domscheit-berg.de\/?page_id=995\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">mein Buch \u2013 Mauern einrei\u00dfen<\/a><\/li>\n<li><a title=\"HP ADB Wendezeit Fotos\" href=\"http:\/\/publizistin.anke.domscheit-berg.de\/?page_id=1084\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Fotos aus der Wendezeit<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/7f49d3bac06644238a0c89b71419b7f6\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Welch ein Wochenende! In Berlin die gr\u00f6\u00dfte Demo die es je in dieser Stadt gab, freiwillig 1 Mill auf der Strasse! 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