{"id":753,"date":"2013-10-07T10:46:08","date_gmt":"2013-10-07T10:46:08","guid":{"rendered":"http:\/\/ankedomscheitberg.de\/?p=753"},"modified":"2013-10-07T10:46:08","modified_gmt":"2013-10-07T10:46:08","slug":"internet-uberwindet-28-jahre-und-7-200km-eine-wahre-geschichte-1985-ddr-2013-internet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/publizistin.anke.domscheit-berg.de\/?p=753","title":{"rendered":"Internet \u00fcberwindet 28 Jahre und 7.200km &#8211; eine wahre Geschichte (1985 DDR &#8211; 2013 Internet)"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/ankedomscheitberg.de\/?attachment_id=756\" rel=\"attachment wp-att-756\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-full wp-image-756\" alt=\"Arsha\" src=\"http:\/\/ankedomscheitberg.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Sha0015.jpg\" width=\"470\" height=\"579\" srcset=\"https:\/\/publizistin.anke.domscheit-berg.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Sha0015.jpg 470w, https:\/\/publizistin.anke.domscheit-berg.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Sha0015-244x300.jpg 244w\" sizes=\"(max-width: 470px) 100vw, 470px\" \/><\/a>Am 18. August 2013 erhielt ich auf Facebook eine seltsame Nachricht:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Hi&#8230; My father Shaji Z. had a penfriend named Anke Domscheit from Germany 25 years back.. I saw the letters few days back, got interested about it and just searched fb and saw your profile&#8230; I would like to know whether it was you&#8230;. She was 18 in the year 1985-86 when they were writing letters.. Kindly give me a reply&#8230;..&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>Ja, es stimmte. Ich hatte einen indischen Brieffreund, damals, vor \u00fcber einem Vierteljahrhundert. Ich wei\u00df nicht mehr, wie lange wir uns schrieben, vielleicht ein Jahr. Seit diesem 18. August schreibe ich mich mit der Tochter meines damaligen Brieffreundes, einer Studentin der Bauingenieurswissenschaften, Arsha Shaji. Ich bin immer noch v\u00f6llig fasziniert davon, wie soziale Netze heute Raum und Zeit \u00fcberwinden und Kontakte erm\u00f6glichen, die fr\u00fcher undenkbar waren. Ich m\u00f6chte die Geschichte aber von vorn erz\u00e4hlen.<br \/>\nIm Oktober 1985 hatte ich gerade die 12. Klasse begonnen, ich war 18 Jahre alt und besuchte die Erweiterte Oberschule hinter dem eisernen Vorhang in Strausberg, \u00f6stlich von Berlin. Ich liebte Fremdsprachen und Kontakte zu Menschen aus anderen Kulturen. F\u00fcr einen Ossi war das kein einfaches Hobby, denn Reisen waren nur eingeschr\u00e4nkt m\u00f6glich und damit auch Kontakte ins Ausland. Aber ich war kreativ und st\u00f6berte auf dem j\u00e4hrlichen Solidarit\u00e4tsbasar der DDR-Medien auf dem Alexanderplatz in den dort f\u00fcr Briefmarkensammler angebotenen Leserbriefumschl\u00e4gen aus aller Welt. Ich ignorierte die Briefmarken und suchte die spannendsten Absender. Solche Umschl\u00e4ge erstand ich und schrieb dann Briefe an mir v\u00f6llig unbekannte Menschen, irgendwo auf der Welt. Einer dieser Adressaten war ein 24j\u00e4hriger junger Mann aus Kerala in Indien, Shaji Z., der Vater von Arsha. Und er antwortete mir!<br \/>\n<div id=\"attachment_754\" style=\"width: 829px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/ankedomscheitberg.de\/?attachment_id=754\" rel=\"attachment wp-att-754\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-754\" loading=\"lazy\" class=\" wp-image-754 \" alt=\"Arsha hat mir einen Scan von meinem ersten Brief gemailt. \" src=\"http:\/\/ankedomscheitberg.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Brief-001-1024x733.jpg\" width=\"819\" height=\"586\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-754\" class=\"wp-caption-text\">Arsha hat mir einen Scan von meinem ersten Brief gemailt.<\/p><\/div><br \/>\nDie Erinnerung an diese Brieffreundschaft aus l\u00e4ngst vergangenen Zeiten kam zur\u00fcck. Ich antwortete Arsha bald:<\/p>\n<blockquote><p>Hi, this is a really funny story! Yes this was me and I do remember. What a wonder that he did not throw those letters away. Its so long ago! The internet can do magic in finding remote people, remote in a geographical sense but also remote in terms of time. This seems like from another life&#8230; I was still caught behind the iron curtain, locked into a country. Only 3 years later the Berlin Wall fell forever and I could travel around. I was also in India, in 2010, visiting Bunker Roy in the barefoot college in Tilonia, not too far from Jaipur. My best regards for your father. It seems he got a happy life! I got lucky too, with the best husband in the world and a great son, who is 13 years old. best wishes from Germany! Anke<\/p><\/blockquote>\n<p>Arsha schrieb mir, dass ihr Vater 1992 heiratete. Sie ist die \u00e4ltere von zwei T\u00f6chtern und 20 Jahre alt, ihre kleine Schwester ist genauso alt wie mein Sohn. In einem Jahr wird sie ihr Studium als Bauingenieurin abgeschlossen haben. Ihr Vater hatte zwar \u00f6fter davon erz\u00e4hlt, dass er fr\u00fcher eine deutsche Brieffreundin hatte, aber es hie\u00df immer f\u00fcr die Kinder, diese Briefe existieren nicht mehr. Erst in diesem Sommer hat er den T\u00f6chtern den Inhalt einer alten Kiste gezeigt &#8211; darin waren meine Briefe.<br \/>\n<div id=\"attachment_762\" style=\"width: 734px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/ankedomscheitberg.de\/?attachment_id=762\" rel=\"attachment wp-att-762\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-762\" loading=\"lazy\" class=\"size-large wp-image-762\" alt=\"2. Brief von mir, Seite 1\" src=\"http:\/\/ankedomscheitberg.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Brief-002-P1-724x1024.jpg\" width=\"724\" height=\"1024\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-762\" class=\"wp-caption-text\">2. Brief von mir, Seite 1<\/p><\/div><br \/>\nArsha hatte gleich die Idee, auf Facebook nach mir zu suchen. Ihr Vater hielt das f\u00fcr eine zweifelhaftes Unterfangen, es ist ja so lange her und bestimmt h\u00e4tte ich einen anderen Namen. Aber mein Name ist noch der gleiche und Arsha fand mich in ein paar Minuten \ud83d\ude42<br \/>\n<div id=\"attachment_763\" style=\"width: 764px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/ankedomscheitberg.de\/?attachment_id=763\" rel=\"attachment wp-att-763\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-763\" loading=\"lazy\" class=\"size-large wp-image-763\" alt=\"der 2. Brief von mir, Seite 2\" src=\"http:\/\/ankedomscheitberg.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Brief-002-P2-754x1024.jpg\" width=\"754\" height=\"1024\" srcset=\"https:\/\/publizistin.anke.domscheit-berg.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Brief-002-P2-754x1024.jpg 754w, https:\/\/publizistin.anke.domscheit-berg.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Brief-002-P2-221x300.jpg 221w, https:\/\/publizistin.anke.domscheit-berg.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Brief-002-P2-768x1043.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 754px) 100vw, 754px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-763\" class=\"wp-caption-text\">der 2. Brief von mir, Seite 2<\/p><\/div><br \/>\nIch war sehr neugierig, was ich denn so vor 28 Jahren schrieb und bat Arsha, mit doch mal einen Brief von damals einzuscannen. So erhielt ich meine ersten beiden Briefe per email. Was f\u00fcr eine Reise in die eigene Vergangenheit! Was f\u00fcr ein lustiges Englisch habe ich damals nur geschrieben! Und was f\u00fcr naive Inhalte&#8230;<br \/>\n<div id=\"attachment_764\" style=\"width: 790px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/ankedomscheitberg.de\/?attachment_id=764\" rel=\"attachment wp-att-764\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-764\" loading=\"lazy\" class=\"size-large wp-image-764\" alt=\"mein 2. Brief - Seite 3\" src=\"http:\/\/ankedomscheitberg.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Brief-002-P3-780x1024.jpg\" width=\"780\" height=\"1024\" srcset=\"https:\/\/publizistin.anke.domscheit-berg.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Brief-002-P3-780x1024.jpg 780w, https:\/\/publizistin.anke.domscheit-berg.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Brief-002-P3-229x300.jpg 229w, https:\/\/publizistin.anke.domscheit-berg.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Brief-002-P3-768x1008.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 780px) 100vw, 780px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-764\" class=\"wp-caption-text\">mein 2. Brief &#8211; Seite 3<\/p><\/div><br \/>\n<div id=\"attachment_765\" style=\"width: 772px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/ankedomscheitberg.de\/?attachment_id=765\" rel=\"attachment wp-att-765\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-765\" loading=\"lazy\" class=\"size-large wp-image-765\" alt=\"mein 2. Brief, Seite 4\" src=\"http:\/\/ankedomscheitberg.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Brief-002-P4-762x1024.jpg\" width=\"762\" height=\"1024\" srcset=\"https:\/\/publizistin.anke.domscheit-berg.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Brief-002-P4-762x1024.jpg 762w, https:\/\/publizistin.anke.domscheit-berg.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Brief-002-P4-223x300.jpg 223w, https:\/\/publizistin.anke.domscheit-berg.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Brief-002-P4-768x1032.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 762px) 100vw, 762px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-765\" class=\"wp-caption-text\">mein 2. Brief, Seite 4<\/p><\/div><br \/>\nMit Arsha schreibe ich heute \u00fcber andere Dinge als damals mit ihrem Vater. Wir tauschen uns aus zum Thema Geschlechtergerechtigkeit auf der Welt &#8211; in Indien und bei uns in Deutschland, \u00fcber Politik und unser Leben. Ich schrieb ihr, wie es seit damals weiter ging, dass ich tats\u00e4chlich Textilkunst studierte aber auch wie der Fall der Mauer alles ver\u00e4nderte, wie mein berufliches Leben ein paar Zick-Zacks erfuhr und wie ich heute so lebe und arbeite. Arsha \u00fcbersetzte sich meine Blogtexte (hoffentlich hat Google Translate sie nicht allzu sehr verunstaltet) und erfuhr etwas \u00fcber den Wahlkampf der Piratenpartei in Deutschland :-). Zur Zeit ist Arsha im Pr\u00fcfungsstress und ich dr\u00fccke ihr die Daumen. Ich hoffe sehr, wir lernen uns einmal pers\u00f6nlich kennen. Vielleicht kann sie ja sogar in Deutschland einen Masters machen (Tipps v.a. f\u00fcr englischsprachige Studieng\u00e4nge, die irgendwie mit Civil Engineering zu tun haben, gern an mich!).<br \/>\n<div id=\"attachment_766\" style=\"width: 829px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/ankedomscheitberg.de\/?attachment_id=766\" rel=\"attachment wp-att-766\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-766\" loading=\"lazy\" class=\" wp-image-766 \" alt=\"Arsha-with-Friends\" src=\"http:\/\/ankedomscheitberg.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Arsha-with-Friends-1024x768.jpg\" width=\"819\" height=\"614\" srcset=\"https:\/\/publizistin.anke.domscheit-berg.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Arsha-with-Friends-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/publizistin.anke.domscheit-berg.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Arsha-with-Friends-300x225.jpg 300w, https:\/\/publizistin.anke.domscheit-berg.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Arsha-with-Friends-768x576.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 819px) 100vw, 819px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-766\" class=\"wp-caption-text\">Arsha mit ihren Freundinnen<\/p><\/div><br \/>\nIch habe Arsha nat\u00fcrlich gefragt, ob ich alles das schreiben kann, auch mit ihrem Namen und Fotos &#8211; sie war einverstanden. Mir bedeutet diese kleine Geschichte sehr viel. Sie ist f\u00fcr mich exemplarisch f\u00fcr die Grenzenlosigkeit des Internets und wie sich Menschen, die sich nie begegnet sind, einander n\u00e4her kommen k\u00f6nnen. Sie zeigt, \u00fcber welche Ecken wir alle mit anderen Verbindungen haben oder haben k\u00f6nn(t)en. Wie klein die Welt ist und wie wichtig es daher ist, sich nicht so stark an Nationalismen zu orientieren. Das Internet kennt solche Grenzen einfach nicht. Es zeigt uns im Gegenteil, wie einfach sich selbst Barrieren wie Jahrzehnte Zeit und Tausende von Kilometern \u00fcberwinden lassen und wie solche Bindungen &#8211; oder Abk\u00f6mmlinge dieser Bindungen &#8211; selbst den Untergang eines Gesellschaftssystems \u00fcberleben k\u00f6nnen. Ich bin immer noch fasziniert und danke Arsha sehr daf\u00fcr, dass sie mich einfach so kontaktierte. Ich bin so um eine Freundschaft reicher geworden.<br \/>\n<div id=\"attachment_772\" style=\"width: 765px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/ankedomscheitberg.de\/?attachment_id=772\" rel=\"attachment wp-att-772\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-772\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-772\" alt=\"Berlin-Kerala 7.200 km Luftlinie\" src=\"http:\/\/ankedomscheitberg.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Bildschirmfoto-2013-10-07-um-12.48.28.png\" width=\"755\" height=\"368\" srcset=\"https:\/\/publizistin.anke.domscheit-berg.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Bildschirmfoto-2013-10-07-um-12.48.28.png 755w, https:\/\/publizistin.anke.domscheit-berg.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Bildschirmfoto-2013-10-07-um-12.48.28-300x146.png 300w\" sizes=\"(max-width: 755px) 100vw, 755px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-772\" class=\"wp-caption-text\">Berlin-Kerala 7.200 km Luftlinie<\/p><\/div><br \/>\n&nbsp;<br \/>\n&nbsp;<br \/>\n&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 18. 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