"Mauern einreißen" mein Buch kann man schon bestellen :-)

Das ist natürlich Werbung in eigener Sache, aber hätte ich nicht gewollt, dass Menschen mein Buch lesen, dann hätte ich auch keines geschrieben und vielleicht sucht ja der oder die eine oder andere noch nach einem Weihnachtsgeschenk 😉 In einem kurzen Interview beim Heyne-Verlag habe ich etwas zu Inhalt und Motivation erzählt (startet bei Klick auf das Bild, wenn nicht HIER klicken):

Screenshot YouTube ADB zu Mauern Einreißen

Wer Amazon nicht leiden kann und vor Ort keinen Buchladen hat, der kann es z.B. auch bei buch.de bestellen. Eine kleine Vorankündigung habe ich auch noch: ich plane entweder einen Extrablog oder eine Rubrik in diesem Blog zum Buch, um dort nicht nur Termine und Feedback zu veröffentlichen sondern auch jede Menge Originaldokumente. Es wird Auszüge aus meinen Tagebüchern geben vor allem vom Wendeherbst 1989, meine Stasiakte und der fingierte Brief, mit dem man mich zu einem “Gespräch” mit der Stasi lockte, viele Dokumente der Opposition – Aufrufe, Resolutionen, Eingaben – einige davon aus meiner Feder – sowie die Antworten von staatlichen Stellen wie dem Staatsrat der DDR. Ich werde auch alte Fotos wie dieses hier dort veröffentlichen – von mir aus der Zeit der Wende :-).
Anke Domscheit-Berg - 1989
In das Buch hat das alles leider nicht mehr reingepaßt, aber wenigstens elektronisch soll es Zugang zu diesen ergänzenden Inhalten geben, auf die ich mich im ersten Teil des Buches beziehe. “Mauern einreißen” verbindet unsere jüngere Geschichte mit der Gegenwart, es spricht von der Notwendigkeit, uns für eine erneute Wende zu engagieren. Es gibt viel von mir preis und ja, es ist ein klassisches “laßt uns die Welt verbessern”-Buch – mit vielen Geschichten – von mir oder mir bekannten Menschen erlebt, verstörenden Fakten und konstruktiven Ideen. Es ist kein Meckerbuch sondern ein Buch mit Visionen, die keine unrealistischen Träumereien sondern auch machbar sind. Und Ja, verdammt, ich wünsche diesen Visionen viele Leser*innen!
 
 

"Spitzenbäume" in Himmelpfort – Schneekristalle aus Textil werden zu "Kunst am Baum"

Heute, am 12.12.2013, war es soweit – ich habe mit der Hilfe vieler großartiger Menschen zum ersten Mal Bäume in ein Spitzenkleid gehüllt!
Und so sieht mein erster “Spitzenbaum” aus – eine Linde, die direkt vor dem Weihnachtspostamt in Himmelpfort steht:
1. Spitzenbaum vor dem Weihnachtspostamt Himmelpfort
 
Der Weihnachtsmann war auch dabei
Das gelbe Fahrrad im Bild gehört übrigens dem Weihnachtsmann…, er kam uns auch besuchen, genau wie ein Engel und Frau Holle. Hier ist der Fotobeweis (vorerst nur für den Weihnachtsmann):
ADB und Weihnachtsmann am SpitzenbaumDer Weihnachtsmann half sogar, die Bommeln im Baum zu befestigen, die textilen Schneekristalle schienen ihm sehr zu gefallen :-). Es war etwas neblig in der ersten Tageshälfte und so dauerte es nicht allzu lang, bis mir die Finger klamm wurden, aber mit Handschuhen klappte das Nadelhalten einfach nicht. Wenigstens hielt mich die Skihose warm.
1. Spitzenbaum DetailTrotz umfangreicher Vorarbeiten (zum Prozess siehe weiter unten) war das sorgfältige Befestigen zeitaufwändiger als gedacht – gegen 13Uhr war ich erst mit Baum Nummer Eins fertig. In der letzten Stunde hatte ich aber nur noch Kleinigkeiten perfektioniert, so dass wir wie geplant um 12:00 Uhr die Übergabe mit Ortsvorsteher Lothar Pietsch und dem Weihnachtsmann – mit Fototermin für die Presse – machen konnten (hier wird noch ein Foto nachgereicht, ich muss es mir erst noch von meinen Helfer*innen besorgen).
Ich war froh über die zahlreichen Begleiter, die aus Himmelpfort, Berlin und Erkner gekommen waren. Vom Haus des Gastes bekamen wir Tee und Kaffee und eine wunderschöne Aufwärmgelegenheit im Weihnachtsmannhaus an einem eisernen Herd mit loderndem Feuer, die wir zum “Auftauen” genossen, bevor wir uns am frühen Nachmittag dem zweiten Baum auf der Festwiese widmeten.
2. Spitzenbaum - ZwischenstandUnd so sieht der zweite Baum aus – als “Work in Progress” – denn fertig ist er noch nicht, es fing an zu nieseln und wurde langsam dunkel, daher mußten wir abbrechen. Am Sonntag, den 15.12.2013 Samstag, den 14.12.2013, werde ich den zweiten Baum fertig stellen. Geplant ist, noch einige der unteren Äste einzukleiden und auch noch ein Stück Stamm oberhalb des ersten Astwirbels. Eine ganze Reihe weißer Bommeln haben wir aber schon im Baum verteilt – sie verstärken den winterlich-märchenhaften Eindruck, den die Schneekristallspitzen erzeugen.
Das Ergebnis hat uns schon jetzt alle begeistert. Beide Bäume sind Hingucker und die vielen großen und kleinen Besucher von Himmelpfort, die auch unter der Woche das Weihnachtspostamt besuchten, waren sichtlich angetan. Viele Male wurde ich gefragt, warum ich das mache, die Antwort “weil ich es schön finde und möchte, das viele Menschen sich daran freuen können”, hat bisher allen genügt (ausführlichere Argumente finden sich am Ende meines Ankündigungsblogposts zur Aktion HIER).
Wie entsteht ein Spitzenbaum?
Aufmaß BaumDer Prozess ist gar nicht so kompliziert. Zuerst sucht man sich einen geeigneten Baum und nimmt Maß, denn vieles kann man zuhause vorbereiten – aber nur dann, wenn man eine genauer Vorstellung davon hat, was man braucht – man mißt also den Umfang von Stamm und Ästen und die Abstände zwischen den Stellen, die sich im Umfang stark unterscheiden. Ich mache das in einem kleinen Büchlein, dann fliegen mir die Zettel nicht herum.
Für große Flächen – etwa den bedeckenden Stamm – klebe ich mir die benötigten Ausmaße mit Kreppklebeband auf den Boden (siehe Bild – das wurde das Kleid für den zweiten Spitzenbaum, die Fichte).
Ausgelegte Spitzen
Vorarbeit im Trocknen und Warmen
Dort lege ich die vorhandenen Spitzendeckchen (am besten auf ebay eingekauft oder im Bekanntenkreis eingesammelt) so aus, dass sie von Form und Muster schön zu einander passen, stecke sie mit Nadeln fest und nähe sie dann nach und nach zusammen. Das ist schon etwas mühsam – für die Stämme beider Bäume habe ich ca. 30-40 Stunden Vorbereitungszeit gebraucht. Einzelne Teile kann man auch auf einem Tisch zusammennähen, am Ende eignet sich der Boden aber am besten. Gegen wunde Knie helfen Kissen, manchmal habe ich auf dem Bauch liegend gearbeitet.
Vorbereitung 1. Baum
Damit man beim Nähen nicht vor Langeweile stirbt, kann man wunderbar nebenbei Hörbücher hören oder Filme am Laptop schauen. Ich habe z.B. nebenbei diverse Vorträge auf YouTube angehört, um mich auf die Talkshow bei Anne Will zum Thema “Tötet der Kapitalismus?” vorzubereiten. Das Bild oben zeigt das Kleid für den ersten Spitzenbaum, die Linde, das praktischerweise die Maße eines meiner Teppiche hatte. Rechts und links hatte ich die Spitzendeckchen nach Größe (klein, mittel, groß) und Format (rund, eckig, rautenförmig) sortiert bereit gelegt. Alle Deckchen habe ich vorher gebügelt, damit sie schön glatt liegen.
1. Spitzenbaum - Beginn
Am Baum wird es spannend – paßt das Kleid?
Das fertige Kleid im Rechteckformat habe ich dann vorsichtig zusammengelegt, in ein Stück Stoff eingeschlagen und am Baum auf einer Leiter stehend und mit Hilfe anderer wieder ausgerollt und sofort am oberen Rand mit Stecknadeln und einem Hammer erst einmal provisorisch befestigt.
Screenshot - 12-12-13
Auf Sorgfalt kommt es an – und Fingerspitzengefühl
Danach strafft man das Ganze in jede Richtung – die Spitzen müssen sehr stramm sitzen, denn beim ersten Regen werden sie schlaffer und sie sollen ja dann keine traurigen Falten werfen. Damit das Spitzenkleid an der gewünschten Stelle bleibt, kann man viele weitere Stecknadeln zum Festpinnen nutzen. Nur nicht tief in die Rinde treiben – das tut dem Baum weh. Dort, wo die Längskanten des Spitzenkleides aneinander treffen, wird sorgfältig zugenäht, auch alle sonstigen Stellen, wo einzelne Teile der Spitzendeckchen etwas unförmig herumhängen, werden mit Nadel und Faden fixiert. Alle dann nicht mehr notwendigen Stecknadeln werden wieder herausgezogen. Da, wo ich ein einzelnes Deckchen z.B. in der Baumkrone befestigen wollte, habe ich das nur mit Stecknadeln getan. Für ein paar Wochen wird das halten.
1. Spitzenbaum - Detail
Sorgfältiges Arbeiten ist wichtig, denn Spitzen leben von Akkuratesse – nicht nur der Muster selbst, die ihren Reiz ausmachen, sondern auch ihrer Form. Das Ergebnis lohnt die Mühe. Ich bin jedenfalls stolz auf mein Werk und hoffe, dass es vielen Menschen Freude macht und vielleicht sogar Lust auf Handarbeiten weckt. Ich danke allen, die mir heute geholfen haben und freue mich über Nachahmer*innen (und über Fotos davon!). Es ist sehr entspannend, mal etwas ganz Anderes zu machen als (in meinem Fall) Politik, Ehrenamt und sonstige Arbeit. Ich hatte großen Spaß bei der Aktion! Wenn es Berichte irgendwo über meine Spitzenbäume gibt, schickt mir die Links, dann kann ich sie hier einstellen. Das eine oder andere Bild werde ich auch noch ergänzen.
Gefallen Euch die Spitzenbäume? Über Feedback freue ich mich – nutzt einfach das Kommentarfeld dafür.
Update – Presselinks

Weitere Blogposts zum gleichen Thema:

  • Ankündigung der Aktion

Bäume in ein Kleid aus Spitzen hüllen? Am 12.12. mach ich das in Himmelpfort! (Termin neu wegen Xaver!)

****** TERMINÄNDERUNG: der ursprüngliche Termin – 6. Dezember 2013 – wird sturmbedingt (Xaver…) verlegt auf den 12.12.13 ******

beim Guerillastricken eines Fliederbaums im Januar 2012 (bei ca 20 Minusgraden)

beim Guerillastricken eines Fliederbaums im Januar 2012 (bei ca 20 Minusgraden)


Von mir ist schon bekannt, dass ich hier und da Dinge einstricke, die sonst eher ohne wollige Verschönerung zu finden sind: Bäume, Panzer, Flugzeuge, Straßenlaternen, Mülleimer, Bänke oder die Pfosten von Verkehrszeichen. Ich mache das immer wieder, überall auf der Welt, z.B. in Warschau, Belgrad, Wien, Helsiniki, Berlin und an allen vielen anderen Orten. Ich mache das oft unter meinem Künstlerinnennamen Anna Maria Nitthaeck (auf Twitter @Nitthaeck). Anna Maria schreibt noch seltener für ihren Blog, aber ein paar Texte (leider nur auf englisch) gibt es dort doch, man findet sie unter www.randomactsofknitting.wordpress.com.
Aber jetzt habe ich etwas Anderes vor, denn mich erreichte eine Inspiration aus Wien von S.M.Steinitz von einem Baum in Wien, der wunderschön in Spitze gehüllt war. Die Anregung kam mit diesem Tweet:
Quelle: https://twitter.com/smsteinitz/status/403140947640586240

Quelle: https://twitter.com/smsteinitz/status/403140947640586240


Solche Bäume habe ich im Internet hier und da schon gefunden, sie sind selten und jeder etwas anders aber alle sind Augenweiden.
Lacetrees - Spitzenbäume
Mein erster Gedanke war: So etwas will ich auch mal machen! Vom ersten Gedanken bis zum ersten Plan dauerte es nur ein paar Stunden…noch in der gleichen Nacht suchte ich das Internet ab nach Spitzendeckchen 🙂
Und das ist mein Plan:
Am Nikolaus, dem 6. 12. Dezember 2013 möchte ich Bäume in Himmelpfort verschönen, dem Ort, der Heimat des Weihnachtsmannes und des Weihnachtspostamtes ist und wo Jahr für Jahr Hunderttausende Briefe aus aller Welt an den Weihnachtsmann von seinen fleißigen Gehilf*innen beantwortet werden. Von meiner Idee habe ich dem Fürstenberger Bürgermeister Herrn Robert Philipp erzählt, zu dessen (und auch meiner) Gemeinde der Ortsteil Himmelpfort gehört. Er war schnell für die Idee gewonnen und stellte einen Kontakt zur Deutschen Post her, denn mir schwebte die Verschönerung des Baums vor dem Weihnachtspostamt vor. Auch bei der Deutschen Post rannte ich offene Scheunentore ein und traf auf große Unterstützung. Die Spitzendeckchen bekam ich teils geschenkt, einige sind aus eigenen Beständen, den überwiegenden Teil erstand ich im Internet (es werden wohl ca. 200 Stück in allen Größen sein am Ende). Eigentlich wollte ich ja auch nur einen Baum in einen Spitzenbaum verwandeln, aber nach einer Ortsbegehung habe ich mich für zwei Bäume entschieden (ich hoffe, die Spitzen reichen!).
Der Erste Baum…
…steht genau vor dem Weihnachtspostamt. Es ist eine Linde, deren Krone man zu einem rundem Knubbel zurechtgestutzt hat und die daher einen schönen, geraden und gleichmäßigen Stamm hat aber keine weiteren Äste, die sich oben verzweigen. Die Krone wird aus vielen kleinen Zweigen gebildet, die gemeinsam eine Art Kugel bilden. Der Stamm hat einen Umfang von 1,50m bis 1,85m und ist über 2m hoch. Da paßt eine ganze Menge Spitze ran…
SpitzenteppichEin Teppich in meinem Haus hat ungefähr die Maße des Baumstamms auseinandergeklappt – das ist sehr praktisch, dort habe ich bereits über 80 Deckchen ausgelegt, passende Strukturen einander zugeordnet und begonnen, die Deckchen zusammenzunähen (das ist viel mehr Arbeit als ich dachte, in einer sehr ungesunden Haltung – meine armen Knie!). Das alles erst am 6.12. direkt am Baum zu machen, würde viel zu lange dauern und schwerkraftbedingt auch viel komplizierter sein. Der gerade und glatte Stamm macht das Vorarbeiten zum Glück möglich. Und so sieht der mit Spitzendeckchen belegte Teppich aus – am 6.12. werden alle diese Spitzen den Baum vor dem Weihnachtspostamt schmücken und ihn in eine Säule aus Schneekristallen verwandeln!
Der zweite Baum…
…steht auf dem Mittelalter-Weihnachtsmarkt (er ist für einen Besuch sehr zu empfehlen!), der direkt hinter der Weihnachtspost beginnt und sich bis zum See von Himmelpfort erstreckt.
Die Klosterruine von Himmelpfort im Sommer (Bildquelle: Website Himmelpfort -http://www.himmelpfort.net/galerie.html)

Die Klosterruine von Himmelpfort im Sommer (Bildquelle: Website Himmelpfort -http://www.himmelpfort.net/galerie.html)


Das Gelände ist wie geschaffen für einen romantischen Markt, denn links und rechts wird es von mit Grün berankten Ruinen aus Backstein begrenzt. Der Baum steht in der Mitte einer schönen, großen Wiese und erhebt sich hoch und mit majestätischer Krone (hier wird später ein Foto ergänzt). Mit Spitzen umgarnt, muss er einfach faszinierend aussehen! Aber die Umsetzung wird zur Herausforderung: der Untergrund ist uneben, der Stamm viel höher und viel dicker und auch nicht gerade regelmäßig. Sein Umfang mißt stattliche 2,50m am unteren Ende, nur etwa 60cm weniger an den schmaleren Stellen. Da müssen auf jeden Fall die größeren Spitzendecken her.  Der Stamm teilt sich nach ca. 1,85m in einige starke Äste, die geradezu danach schreien, ebenfalls verschönt zu werden. Aber das ist schon recht hoch (die Äste wachsen ja wenig überraschend Richtung Himmel) und die Wiese ist um den Baum herum leider nicht eben. Ob das daher alles so klappt mit den Leitern und dem Befestigen, werde ich erst am 6.12.12. sehen.
Update vom 12.12.2013: ich habe mich kurzfristig für einen anderen Baum entschieden, eine kurz dahinter stehende Fichte. Details gibts im Bericht zur Aktion!
Unterstützer und Helferinnen
Helfen werden mir die Betreiber des “Haus des Gastes” vor Ort, vor allem mit Leitern – ohne die geht gar nix. Unterstützung kommt auch von den Frauen, die sich schon seit etlichen Jahren in Fürstenberg/Havel regelmäßig treffen, um für einen guten Zweck zu stricken. Sie wollen weiße Bommeln beisteuern, die wir in den Baum hängen werden. Auch aus Berlin kommt Hilfe :-),  von der Mühle Himmelpfort und aus Erkner.
Der Zeitplan – von Nikolaus bis Neujahr
Am 5.12. treffen sich die strickenden Frauen von Fürstenberg/Havel um 13:30 Uhr zu einem Vorbereitungstreffen bei mir im havel:lab in Fürstenberg.
Am 12.12. werde ich ab 9:30 Uhr (vielleicht wirds auch 10:00) in Himmelpfort eintreffen und vorraussichtlich mit dem Baum vor dem Weihnachtspostamt beginnen. Ich habe keinen Schimmer, wie lange das dauert, aber da die Deckchen größtenteils bereits zusammengenäht sind, bin ich vielleicht schon in einer Stunde fertig.
Am 12.12. vorr. ab 11:00 Uhr werde ich den zweiten Baum in Angriff nehmen und hoffe, ich scheitere mit dem Vorhaben nicht, da die Rahmenbedingungen doch schon etwas kompliziert sind. Wir werden es sehen… Unterhaltsam wird es ganz bestimmt, dabei zuzuschauen, wie ich um den Baum klettere und versuche, Spitzendeckchen um den Baum zu befestigen. Ich hoffe nur, es regnet und schneit nicht, denn dann wird es fast unmöglich.
Am 12.12. um 12:00 Uhr ist die offizielle Übergabe an den Ortsvorsteher Lothar Kliesch durch mich und den Weihnachtsmann. Ja, der Weihnachtsmann wird höchst selbst mein Geschenk an Himmelpfort und seine Besucher*innen mit überreichen. Die Übergabe ist natürlich symbolischen Charakters und eigentlich ist es ja auch eher eine Leihgabe…
Anfang Januar werde ich die Spitzen dann wieder abmachen, die bis dahin hoffentlich von Vandalen noch unbeeinträchtigt sind. Vielleicht lasse ich aber auch einen Teil dran – das entscheide ich wenn es soweit ist.
“Warum macht sie das?! Warum Spitzendeckchen?!”
Falls sich jemand die ganze Zeit fragt, warum zur Hölle ich Bäume in Spitzengewänder stecke – hier ein paar Antworten:

  • Guerillastricken/-häkeln bedeutet, die Umwelt mit textilem Material zu verschönern, da wo sie besonders häßlich ist (Bauzäune, Militärflugzeuge, Panzer und dergleichen) oder da, wo sie besonders schön ist (Bäume, Brücken…).
  • Die ungewöhnliche Kombination aus Schneekristall-Spitzen an einem Baum verändert die Sicht auf beides – die Spitzendecken und den Baum. Diese Kombination ist pure Ästhetik, die sich jedem Betrachter erschließt. Baum und Spitzen vereinen sich zu einem Kunstwerk, das nicht im Museum eingesperrt und nur für Geld anschaubar ist, sondern das genau dort ist, wo auch die Menschen täglich vorbeigehen, die das Kunstwerk nicht nur sehen, sondern auch anfassen können.
  • Himmelpfort ist ein romantischer kleiner Ort in meiner neuen Heimat, der auch in der Weihnachtszeit ein beliebtes Ausflugziel ist. Dort flanieren sehr viele Menschen im Advent und ihnen allen möchte ich den Baumschmuck zum Geschenk machen. Mögen sie sich daran erfreuen, möge er ihren Alltag verschönern, sie etwas zum Staunen bringen und allen zeigen, was man für großartige Dinge nur mit Nadel und Faden zustande bringen kann.
  • Die Verwendung der Spitzendeckchen ist keineswegs eine Mißachtung der darin investierten Handarbeit sondern Anerkennung durch Ausstellung und Verarbeitung in einem öffentlichen Kunstwerk. Es ist für die Schöpfer*innen dieser textilen Schneekristalle sicher eine befriedigendere Vorstellung, täglich Menschen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern, als in einer Schublade unbenutzt und unbeachtet vor sich hin zu modern.
  • Jeder Baum wird zur Ausstellung und zum Hohelied auf die Handwerkskunst vor allem von Frauen, die mit Nadel und etwas Garn aus dem Nichts filigrane Kunstwerke schufen. Die Vielfalt der Muster, Handwerkstechniken und die Feinheit der Details beeindrucken sicher jeden, der vor einem dieser Spitzenbäume stehen wird. Mich haben sie auf jeden Fall sehr beeindruckt, zum Beispiel als ich die ca. 200 Deckchen mit Andacht bügelte.
  • Ich liebe selbst textiles Handarbeiten, seit meinem 10. Lebensjahr habe ich nie aufgehört, mich damit zu beschäftigen. Vor allem alte Techniken haben es mir angetan, viele brachte ich mir mit einem uralten Buch – dem Klassiker seiner Zeit am Ende des 19. Jahrhunderts – selbst bei.
    Solche Schneesterne fertige ich für den Weihnachtsbaum - mit diesem kleinen Metallschiffchen, daher nennt man die Technik "Schiffchenspitze" (oder Occhi - italienisch für Augen - wegen der kleinen Ösen)

    Solche Schneesterne fertige ich für den Weihnachtsbaum – mit diesem kleinen Metallschiffchen


    Ich habe geklöppelt, Reticella-Spitzen mit der Nadel gezaubert, Occhi-Spitzen (auch Schiffchenspitzen) mache ich noch heute; ich flocht Fäden durch schmale Streifen Tüll, um dadurch Spitze im Meter entstehen zu lassen, habe Nadelmalereien gestickt und etliches andere. Natürlich habe ich auch gehäkelt (selbst mit den winzigsten Nadeln) und gestrickt. Mich faszinieren diese Techniken und so habe ich noch zu DDR Zeiten freie Textilkunst studiert, Schwerpunkt Stickerei und sowohl mit der Hand als auch mit einer alten Handstickmaschine (Kurbelmaschine) Stickereien entworfen und umgesetzt. Diese Spitzenbäume sind eine Hommage an das textile Handwerk und für mich auch Erinnerung an die Zeiten, in denen ich besonders viel solcher Dinge selbst gemacht habe – die Achziger Jahre.

Spitzendeckchen-Spenden gesucht!
Mein Vorrat wird vielleicht nicht ganz dafür reichen, deshalb freue ich mich weiterhin über Spenden von Spitzendecken, gehäkelt, gestrickt, geklöppelt – ganz egal, auch kleine Fehler oder Fleckchen sind kein Problem, das kann ich verstecken oder reparieren. Jede Größe ist verwendbar, vom Minideckchen mit 5cm Durchmesser bis zur großen Decke. Ich nehme auch nach dem 12.12. noch gern welche an, dann kann ich den Baum an den folgenden Tagen noch weiter verschönern oder sogar einen weiteren Baum in Angriff nehmen. Wer etwas spenden möchte – am besten das Kontaktformular auf dieser Website ausfüllen! Wer mit seiner Spende genannt werden möchte – einfach Bescheid sagen. Vielleicht hat ja jemand noch in einer Schublade die Deckchen von Oma liegen und sowieso keine Verwendung mehr dafür. In Himmelpfort würden sie viele Menschen wochenlang erfreuen und bestimmt auf vielen Bildern wieder auftauchen und so noch ein wenig berühmt werden auf ihre alten Tage. Sie werden Teil eines Kunstwerkes – á la “Kunst am Baum”.
Anreise
Wer am 12.12. oder irgendwann danach die Spitzenbäume in Augenschein nehmen und vielleicht dabei auch den Weihnachtsmarkt besuchen will, der findet Himmelpfort im Landkreis Oberhavel, ca. 80km nördlich von Berlin (Kartenlink). Der nächste Bahnhof ist in Fürstenberg/Havel, wenige Kilometer entfernt. Fürstenberg ist von Berlin mit der Regionalbahn im stündlichen Takt in 55min zu erreichen.
Feedback?
Ich freue mich über Feedback zur Aktion, vor allem auch über Links zu Berichten, die irgendwo darüber erschienen sind 🙂
Update 12.12.2013 – einen Bericht zur Aktion gibt es HIER.